alte Postkarte von 1898
Alte Postkarte von 1898


L E S E P R O B E N

Ein Soldat aus Altona berichtet über die Tage vor Idstedt:

"Es ist Morgen; kaum beginnt die Dämmerung zu weichen, so sind die Soldaten schon wach, denn es muß ja noch Kaffee gekocht werden, ehe es an's Exerzieren geht. Das Gehölz ist bald recht lebendig geworden, aus allen Hütten sieht man die Soldaten hervorkriechen, mancher noch mit Ueberbleibseln seines Nachtlagers behangen. Diese Hütten waren zwischen den Bäumen aus Baumstämmen zusammengefügt, mit Stroh und Laub bedeckt und inwendig mit demselben Material versehen."



Dänischer Biwak
Dänischer Biwak



Morten Jensen, ein Soldat der dänischen Leibgarde berichtet in einem Brief an seine Mutter:

"Der folgende Tag, nämlich der 25te, brach herein. Der Morgen war kalt und voll mit dunklen Wolken. Bereits um 3 Uhr begann das Gewehrfeuer, die Batterien rückten vor, und wir ebenso. Der Feind wurde in zwei Wälder zurückgetrieben, wo sie ziemlich fest saßen und gut gedeckt waren. Es regnete heftig und wir wurden bis auf die Haut naß. Gegen 8 Uhr gingen wir erneut ein längeres Stück vor, ungefähr ½ Meile vor Schleswig; hier standen wir nun eine ganze Zeit lang als Deckung für die Batterien. Der Feind hatte einige Schanzen vor einem Wald und stand dort vorerst gut gedeckt. - Aber nun brach eine Szene herein, welche ich nicht zu beschreiben vermag; unsere Artillerie eröffnete ein so mörderisches Feuer, wie ich es noch nie vorher gesehen hatte. So blieb es eine ganze Zeit, und das Gewehrfeuer raste ununterbrochen. Trotzdem hielt der Feind seine Stellung und beantwortete die Kanonade von den Verschanzungen aus. Aber - nun war der Sturmangriff beschlossen und wurde sofort in Gang gebracht. Wir stürmten vorwärts durch das Feuerwerk zwischen den Batterien und dem stärksten Gewehrfeuer, das um uns herumhagelte. Mein Herr, der Kammerjunker, war der erste, der zwischen die Schanzen stürmte, und ich, ich war der erste, der ihm folgte. Ich habe gelobt, ihm zu folgen und ich hielt mein Wort, bis ich nicht mehr konnte. Ich folgte ihm weiter bis in den Wald hinein, als eine Kugel mich am rechten Knie streifte, aber, geliebte Mutter, sei froh und laß uns Gott dafür danken, daß ich keine weiteren Schüsse abbekam. Die Kugel war entweder matt oder sie schlug zunächst in einen Baum bevor sie mich traf. Obwohl ich schnell merkte, daß meine Verwundung unbedeutend war, konnte ich doch nicht mehr länger folgen ..."



Paul Trede (S-H), aus einem Feldpostbrief an seine Freundin Elise:

"... vorwärts ging es im Sturmschritt gerade in's Dorf (Stolk) hinein. Da entspann sich ein furchtbarer Kampf; Salven donnerten gegen Salven! Viele sanken hin, unter ihnen Lieutenant v. Sandes, der noch am Abend vorher im Bivouak, wo ihn seine Frau besuchte, so ausgelassen lustig war, und Feldwebel Antoni der 1. Compagnie, ferner Lieutenant Haeseler, Compagniechef der dritten Compagnie u. A. Aus allen möglichen Ecken und Winkeln, sogar aus den brennenden Häusern schoß der Feind auf uns. Es war eine Hitze zum Ersticken. Indeß, die Masse des Feindes wurde durch den ersten Anprall zurückgedrängt. Ein Dutzend gefangener Dragoner wurden an uns vorbeigeführt. "Das ihr den Leuten nichts zu Leide thut," schrie v. d. Horst, "sie können nichts dafür!" Dicht neben uns wälzte sich in gräßlichen Zuckungen ein großes schönes Husarenpferd; einer der Unsern erschoß es vollends; mehrere weniger schwer verwundete sprangen im Dorfe umher und liefen meistens wieder ins Gefecht hinein. Immer wüthender, heißer wurde der Kampf. Die Dänen waren geworfen, rückten aber immer wieder mit neuen Truppen vor. Es war ein fürchterlicher Anblick, - das brennende Dorf, die ganze große Fläche, so weit das Auge sehen konnte, - nichts als Kampf, Zerstörung, Vernichtung; - auf den blühendsten Kornfeldern, in den Gehölzen, zwischen dem Vieh auf den Weiden, - überall Feuer und Dampf! - Dabei hatte es von 3 Uhr an geregnet; wir waren längst durchnäßt. Unser bischen Brod, was wir noch in den Brodbeuteln hatten, war kaum noch zu genießen. Auch war jetzt ans Essen nicht zu denken. Von dem ewigen Laden und Schießen im Regen sahen wir schwarz aus wie die Mohren. Unsere Stellung im Dorfe war durch einen ziemlich hohen Knick etwas gedeckt. Aber auf einmal erschallte ein furchtbarer Donner; eine Granate fuhr über unsere Köpfe dahin und platzte etwa 30 Schritte hinter uns, ohne Schaden zu thun. Aber ein Schreck durchfuhr uns alle: Es war dem Feinde gelungen, in dieses sumpfige Dorf Artillerie zu bringen, und wir hatten keine, nun ihm begegnen zu können! Die Folge war, daß wir zurück mußten. Wir retirirten links über ein Torfmoor, hart verfolgt von den Dänen." (aus: Paul Trede: "Der Tornister war mein Schreibtisch", Husum- Druck und VerlagsgmbH u. Co. KG)



Regelsen, ein Dorfbewohner aus Nübel/Schleswig berichtet: Hinter der Front bei Idstedt.

"Ist das ein Jammer, als ich nach Berendholz zurückkehre! Den ganzen Kolonnenweg entlang Verwundete über Verwundete! Manche sind erschöpft an die Wälle hingesunken, andere taumeln, sich gegenseitig stützend, mühsam vorwärts. Langsam kommt ein Wagen angefahren, in dem sich ein in den Kopf geschossener Jäger in Krämpfen windet, und dort - Heinerath, mein Freund Jochen Heinerath! Auf zwei Säbel gestützt, humpelt er langsam vorwärts. "Minsch, Jochen, wat fehlt di?" eile ich ihm entgegen. "Och Gott, Heine, min Hauptmann, min arme Stakkels Hauptmann," jammert Jochen, "he is dod oder in Gefangenschaft. In Stolk, in'e Stratenkamp, kemen wi an de Tete mank de dänischen Draguners. Ick harr em ruthaut, dat harr nümmer so kamen kunnt, awers denn keem dor en grote, sware Dragunerpeerd mank uns klabastert und perr mi de Föt toschann eh ik drum wies wör, un in desülwe Ogenblick kreeg ik een mit de Plemp öwer de Kopp - un as ik werrer to mi keem, heff ik min Herr nich werrer sehn - ik kunn em je nich helpen!" Und die treue Seele beginnt zu weinen und zu schluchzen wie ein Kind."



Ein Bataillons-Commandeur: Eintragungen aus seinem Tagebuch.

Die ganze Persönlichkeit Willissen's, seine Denkungsweise, selbst seine Werke über den Krieg lieferten vollständige Aufklärung über sein Verhalten bei Idstedt. Sein Ideal, vor wie nach der Schlacht, war Radetzky's Rückzug von Mailand bis in die sichere Stellung hinter der Etsch. In derselben Weise wie die Sardinier sollten die Dänen bis vor Rendsburg gelockt werden und sollten sich an dieser von Willissen trefflich befestigten Stadt die Köpfe zerschellen. Die Dänen aber hüteten sich, das deutsche Bundesgebiet zu betreten, und Willissen in seiner Befangenheit ließ ihnen alle Zeit, sich in ihrer Stellung hinter der Schlei und Eider festzusetzen und das ganze Schleswig zu occupiren.



William Howard Russel: Ein englischer Beobachter auf dem Schlachtfeld von Idstedt. Aus einem Bericht der "Times"
vom 30. Juli 1850.


"Die Veränderungen der Schlachtreihen von 8 bis 10 oder 11 Uhr Vormittags waren kaum merklich. Die Dänen hatten wieder eine rückgängige Bewegung gemacht, und auf dem rechten und linken Flügel dauerte der Kampf unentschieden fort; die Holsteiner behaupteten ihr Feld. Aber der seit dem ersten Tagesgrauen fortgesetzte Kampf hatte die physische (körperliche) Kraft der deutschen Truppen sehr in Anspruch genommen, und man merkte nachgerade, daß sie mit einem Feind zu thun hatten, der ihnen keine Zeit zum Atem holen gönnen wollte. Andere Zeichen, daß nicht Alles mehr in Ordnung war, fingen gleichfalls an, sogar dem Auge eines Laien sichtbar zu werden. Die Zahl der Offiziere war von vornherein zu gering, und jetzt waren ganze Kompanien von Serschanten und Korporälen befehligt, welche nicht das gleiche Ansehen übten, wie die von den dänischen Scharfschützen weggeschossenen Offiziere. Mehrere der Infanterie-Batallione bestanden aus jungen Rekruten, die zum ersten Male im Feuer waren. Sie fingen an zu wanken. Einzelne Haufen der Soldaten von verschiedenen Regimentern wurden in den Rücken der Armee gedrängt, und Niemand sammelte sie wieder; Andere irrten über die Felder in's Gehölz, oder gingen weiter zurück; der Stab war allzu gering an Zahl, die meisten der Stabsoffiziere hatten je drei oder vier Pferde zu Schanden geritten, und doch beklagten sich die Feldoffiziere an entfernten Punkten über den Mangel an Ordren. Die Munition hatte zu fehlen angefangen; zwar war augenblicklich Zufuhr von Schleswig abgegangen, die Wagen geriethen aber unter die Stroh- und Furaschewagen, welche den Dammweg bedeckten und konnten nicht schnell genug aus diesem Gewirre loskommen. Bis jetzt hatten die Dänen noch kein Terrän gewonnen, aber ebenso gewiß war, daß sie nicht geschlagen waren, und zu Mittag, als sie ihren letzten und erfolgreichen Angriff machten, sah man, warum es unmöglich gewesen, sie zuschlagen. Sie hatten eine starke Reserve, welche nun, frisch und kräftig gegen das holsteinische Heer anrückte, in welchem jeder verfügbare Mann schon seit vielen Stunden kämpfte. Ihr Vorrücken wurde durch eine größere Anzahl Kanonen, als bisher in's Gefecht gebracht worden war, und durch eine starke Reiterschaar gedeckt. Das Feuer war nun eine Stunde lang heftiger, als je zuvor und endlich wich das holsteinische Centrum und retirirte auf Schleswig. Der rechte Flügel bog sich rückwärts, und ging ebenfalls auf die Stadt, der linke Flügel zog sich über das offene Feld westwärts zurück. Ein Viertel nach 2 Uhr war die Armee in vollem Rückzug, aber nicht in Unordnung auch wurde sie auf ihrer Retirade vom Feinde nicht beunruhigt."



Gerhard von Krogh, Oberbefehlshaber der dänischen Armee:

"Auf dem linken Flügel galt der Kampf namentlich das Dorf Idstedt, woselbst das 1ste und 2te Verstärkungs Jägercorps und das anfangs als Reserve aufgestellte 2te Verstärkungs Bataillon mit großer Ausdauer fochten, jedoch auch nur mit wechselseitigem Glücke. Hier war der Kampf auch heftig und langwierig; das brennende Dorf wurde nach 2-stündigem Kampfe genommen, musste aber wieder aufgegeben werden, weil der Feind fortwährend Verstärkung an sich zog und namentlich ein starkes Granat- und Kartäschen-Feuer unterhielt. Nichtsdestoweniger wurde das Gefecht sowohl hier, wie auf dem rechten Flügel, zu einem für uns günstigen Ausfall gebracht, nachdem mehrere Abtheilungen, namentlich das 3te Reserve-Jägercorps von der 2ten Brigade und später auch das 5te Reserve-Bataillon von der 4te Brigade, an demselben Theil genommen hatten. Der Feind wurde durch einen kräftigen Bajonetangriff aus dem Dorfe vertrieben."


(Die Berichte wurden in der originalgetreuen Rechtschreibung übernommen.)